Mitten in der Sommerpause hat der Magistrat in dieser Woche eine geänderte Planung für den Bau eines Rechenzentrums am Katzenfeld vorgelegt und kann sich damit einer geringen Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger fast sicher sein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Eine solche Pseudo-Bürgerbeteiligung bei einem derart wichtigen Projekt trägt jedenfalls nicht zur Vertrauensbildung bei.
Kurz vor Bekanntwerden der erneuten Offenlage hatte die Fraktion einen fünfseitigen Fragenkatalog an den Magistrat übermittelt, der verschiedene Aspekte rund um das Bauvorhaben aufgreift. (Der Fragenkatalog kann hier eingesehen werden.) Ein Vorhaben, das – sofern die Stadtverordnetenversammlung den Plänen zustimmt – aufgrund seiner Dimensionen und den damit einhergehenden Chancen und Risiken die Stadt auf Jahrzehnte hin prägen wird. So wird das Rechenzentrum in der geplanten Größe voraussichtlich mehr Strom verbrauchen als die restliche Stadt mit all ihren Menschen, Unternehmen und Institutionen zusammen. Eine der zentralen Fragen von Gigg ist daher, warum sich der Magistrat nicht mit der Forderung durchgesetzt hat, dass dieser enorme Stromverbrauch aus regionalen erneuerbaren Quellen gedeckt werden muss. Einerseits wird der Stromverbrauch der Stadt massiv in die Höhe getrieben, andererseits schafft es der Magistrat bisher nicht, den Ausbau der Erneuerbaren Energien selbst nennenswert voranzutreiben.
Auch das Argument, dass die Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums für die Fernwärme das Projekt besonders klimafreundlich machen würde, hinterfragt Gigg. Nach aktuellem Planungsstand würde nur ein Bruchteil der im Rechenzentrum entstehenden Wärme überhaupt genutzt werden können. Die restliche Wärme würde folglich in die Umgebung abgelassen werden. Die daraus resultierenden Folgen für die Anwohnenden in der Weststadt und die Umwelt sind bisher nicht untersucht worden. Gigg hatte daher bereits im vergangenen September gefordert, dass eine entsprechende bioklimatische Analyse vorgelegt und die Größe des Rechenzentrums stärker anhand der nutzbaren Wärmemenge orientiert werden solle. Beides ist bisher nicht erfolgt.
Eine erhebliche Belastung für Anwohnende, Klima und Umwelt werden auch die ca. 20.000 LKW-Fahrten darstellen, die allein nur für die Aufschüttung des Areals notwendig sein werden. So soll das Rechenzentrum vor extremem Hochwasser geschützt werden. Während die Anwohnenden diese Belastung zu ertragen haben, profitieren sie aber nicht von diesem zusätzlichen Schutz. Für Gigg stellt sich daher die Frage, warum noch immer keine Analyse vorliegt, ob statt der Aufschüttung nicht auch eine Erhöhung des Damms, von der alle Anwohnenden profitieren würden, infrage kommt.
Ebenfalls offen ist die Frage nach dem voraussichtlichen Wasserverbrauch des Rechenzentrums, wie dieser gedeckt wird und ob der Magistrat vom Betreiber ein Wassermanagementkonzept fordert.
Ziel von Gigg ist es, mit dieser Fragenliste, die auf der Homepage der Wählergemeinschaft eingesehen werden kann, dazu beizutragen, eine fachlich valide Grundlage für eine Entscheidung zu erhalten. Sofern der Magistrat dabei bleibt und die Beschlussfassung tatsächlich für die erste Sitzung nach der Sommerpause im August vorsieht, erwartet Gigg, dass den Stadtverordneten die Antworten auf die Fragen vor der Sitzung des Bauausschusses vorgelegt werden, um eine fundierte Auseinandersetzung zu ermöglichen. Die Größenordnung und langfristigen Auswirkungen des Projekts erfordern eine sorgsame Vorgehensweise, die nicht unter künstlichem Zeitdruck durch den Investor leiden darf.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer Themenseite „Rechenzentrum Katzenfeld“.
