Alle Informationen zum Bebauungsplan und Rechenzentrum „Katzenfeld“ haben wir hier gebündelt zusammengefasst: https://giessen-gemeinsam-gestalten.de/rechenzentrum-katzenfeld/
Vor der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 27. August 2026, fand eine Kundgebung einer Bürgerinitative gegen die aktuellen Planungen eines Rechenzentrums am „Katzenfeld“ statt. Unser stv. Vorsitzender Johannes Rippl hielt dazu folgende Rede:
Hallo zusammen, mein Name ist Johannes Rippl. Ich bin stellvertretender Vorsitzender von Gigg und ehemaliger Stadtverordneter. Und in diese Rolle habe ich mich schon letzten September, aber auch in den letzten Wochen, intensiv mit dem geplanten Rechenzentrum am Katzenfeld auseinandergesetzt und mich kritisch dazu geäußert.
Das liegt allerdings nicht daran, dass ich das Rechenzentrum generell ablehnen würde, denn es gibt durchaus einige gute Gründe für den Standort Katzenfeld. Das sage ich jetzt unabhängig von der Bewertung der Sinnhaftigkeit von Rechenzentren im Allgemeinen. Das ist nochmal ein ganz anderes Thema. Nur, wenn Rechenzentren gebaut werden, dann macht es natürlich Sinn das an Orten zu tun, wo die Abwärme genutzt werden kann. Und genau da kommt ein sehr großes Aber.
Denn aus meiner Sicht, reden sich insbesondere die Grünen ihr JA zu diesem Projekt mit drei Argumenten schön.
Erstens Rechenzentren werden sowieso gebaut, dann doch bitte bei uns, weil wir hier höhere ökologische Anforderungen stellen würden als anderswo. Das ist übrigens das gleiche Argument, mit dem schon die Rodung von 45.000 Quadratmetern Wald für Bieber+Marburg gerechtfertigt wurde.
Zweitens, der Strom muss per Gesetz aus 100 % erneuerbaren Energien stammen.
Und drittens hier in Gießen würde ein großer Teil der Abwärme genutzt werden, um unsere Fernwärme klimaneutral zu machen.
Schauen wir uns diese Argumente also mal genauer an:
Wie kann man ernsthaft sagen, dass wir hier höhere Anforderungen stellen würden, wenn man sich dann beim Strom mit den gesetzlichen Anforderungen zufriedengibt? Und diese gesetzlichen Anforderungen sind so lasch, dass man in Maintal auch ein Gaskraftwerk extra für das RZ hätte bauen dürfen, solange man den Strom dann im Nachhinein mit billigsten Herkunftsnachweisen, z.B. aus Jahrzehnte alten Wasserkraftwerken aus Norwegen, grün wäscht. Genau das machen übrigens auch unsere Stadtwerke und genau das wird auch hier passieren, denn der Magistrat hat nicht die Chance auf strengere Vorgaben per Vertrag genutzt. Lediglich eine im Vergleich zum gesamten Stromverbrauch lächerlich kleine PV-Anlage hat der Magistrat herausverhandelt. Diese Anlage wird weniger als 1% des benötigen Stroms produzieren.
Und wir sprechen hier nicht von ein bisschen Strom für einen x beliebigen Gewerbebetrieb. Wie sprechen von der eineinhalbfachen Menge des Stroms den ganz Gießen zusammen verbraucht. Ein Gebäude verbraucht mehr als die ganze Stadt zusammen. Und da geben sich die Grünen mit Fake-Ökostrom zufrieden? So verliert man noch das letzte bisschen ökologischer Glaubwürdigkeit. Da hilft auch die heutige Abwahl von Stadträtin Weigel-Greilich nichts mehr.
Kommen wir zum Thema Abwärme. Hier rühmen sich Magistrat und Koalition, dass man einen großen Teil der Abwärme für die Fernwärme nutzen würde. Genau beziffert wurde es in den Unterlagen bisher jedoch nicht. Also haben wir angefragt, was das Netz überhaupt zu welcher Jahreszeit aufnehmen kann. Die Antwort ist erschütternd. Rechnet man mit den Werten aus der Antwort des Magistrats stellt man fest, dass das Fernwärmenetz aktuell nur rund 7% der Abwärme überhaupt aufnehmen kann. Selbst wenn die Ausbauziele der Fernwärme bis 2035 erreicht würden, was ich für sehr optimistisch halte, würden nicht mehr als 18% genutzt werden können. Und im Sommer würde überhaupt keine Wärme genutzt werden können, obwohl sie viel billiger zu haben wäre als die Wärme aus dem mit viel Tamtam gebauten Flusswärmekraftwerk PowerLahn.
Und diese 7 bis 18% sollen ein großer Teil sein?
Und wenn man dann fragt, was ist denn mit dem Rest, dann wird behauptet, dass keine Abwärme in die Umgebung entweiche. Das physikalisch absolut unmöglich. Die Wärme muss aus dem Gebäude raus und wenn sie das nicht über die FW tut, dann entweicht sie in die Umgebung – ein 34 Meter hoher Föhn!
Und das bringt mich gerade im Hinblick auf die Anwohnenden, die heute hier sind zu der Frage, was macht das denn mit der Umgebungstemperatur, wenn im Sommer Tausende von Megawattstunden Wärme zusätzlich in der Luft stehen? Wir wissen das nicht.
Und daher haben wir auch das beim Magistrat angefragt, doch leider will der darauf keine Antwort geben. (Die bioklimatische Analyse, die zum Projekt erstellt wurde, klammert dieses Thema einfach aus, da man die Energiemenge noch nicht kenne. Was für eine billige Ausrede! Der Magistrat gibt den geschätzten Stromverbrauch bekannt. Er weiß auch, was die Fernwärme maximal aufnehmen kann. Und doch drückt man sich davor, zu analysieren, welche Auswirkungen die restliche Abwärme haben wird? Warum?)
Es gäbe noch viel mehr zu sagen, zum Beispiel zu den zunächst angekündigten 25% Rechenleistung, die für lokale Unternehmen und die Hochschulen reserviert werden sollten und die klammheimlich aus den Unterlagen gestrichen wurden.
Oder zur Aussage, dass man die Gewerbesteuereinnahmen über den Vertrag absichern wolle, was jetzt auch nirgends mehr zu finden ist.
Oder dass durch die enorme Anschlussleistung des RZ andere Unternehmen in Gießen an ihrem Wachstum und ihrer für den Klimaschutz dringend notwendigen Elektrifizierung scheitern bzw. für Jahre ausgebremst werden könnten. Und und und.
Doch leider nützt das alles nichts, wenn die Koalition das Projekt auf Druck des Investors durchpeitscht und für Argumente gar nicht mehr offen ist. Danke für eure Aufmerksamkeit.
