Am Tag vor der entscheidenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung erhielt unsere Fraktion nach fünf Wochen Bearbeitungszeit durch den Magistrat, Antworten auf einige wichtige Fragen zum Rechenzentrum. Diese können hier eingesehen werden: Antwort des Magistrats auf die Gigg-Anfrage zum Rechenzentrum Katzenfeld
Zusammengefasst lässt sich folgendes daraus ableiten:
Zum Thema Strom:
- Der Strombedarf wird auf 480.000 MWh geschätzt. Damit verbraucht das Rechenzentrum 1,5-mal so viel wie die ganze Stadt Gießen zusammen.
- Die Stadt hat nicht dafür gesorgt, dass dieser Strom aus regionalen erneuerbaren Energien stammen muss und gibt sich mit der gesetzlichen Regelung zufrieden. Diese lässt zu, dass fossiler Strom mit billigen Zertifikaten grüngewaschen wird. (Dies praktizieren auch die Stadtwerke Gießen. Mehr dazu hier: „Ökostrom“-Taschenspielertricks der Stadtwerke Gießen)
- Der Magistrat vermeidet eine klare Antwort darauf, ob es bei der Elektrifizierung von bestehenden Betrieben in Gießen zu Netzengpässen aufgrund der hohen Leistungsabnahme durch das Rechenzentrum kommen könnte. Gleichzeitig übt er mit dem Argument der begrenzten Netzanschlusskapazitäten Druck auf die Stadtverordneten aus, damit schnellstmöglich eine Entscheidung zu Gunsten des Rechenzentrums getroffen wird.
Zum Thema Abwärme:
- „Es können ohne einen Ausbau der Fernwärme 8 MW thermisch in der Zeit von Oktober bis März aufgenommen werden. In den anderen Monaten übernimmt die Anlage Powerlahn die Versorgung dieses Bereiches.“ Rechnet man mit diesen Werten, kann nur etwa 7% der pro Jahr anfallenden Abwärme für die Fernwärme genutzt werden. Die restlichen 93% müssen in die Umgebung abgegeben werden.
- Nach einer Erweiterung des Fernwärmenetzes sind ab 2035 ca. 18% Abwärmenutzung möglich.
- Im Sommer wird keinerlei Abwärme genutzt, obwohl dies billiger wäre als die Erzeugung über die PowerLahn genannte Flusswärmepumpe. Diese muss jedoch eine gewisse Anzahl an Betriebsstunden erreichen, um die Bundesförderung zu kassieren. Eine Lose-Lose-Lose-Lose-Situation für Fernwärmekunden, Steuerzahler, Anwohnende und das Klima.
- „Bei einem geschlossenen Kühlkreislauf ist allerdings keine nennenswerte Abgabe der Abwärme in die Umgebung zu erwarten.“ Diese wiederholt gegebene Antwort des Magistrats entbehrt jeder physikalischen und technischen Grundlage. Der Vorteil eines geschlossenen Kühlreislaufs liegt in einem geringeren Wasserverbrauch, sowie in einer effizienten Wärmeübertragung an die Fernwärme. Die Abwärme, die nicht in das Netz übergeben werden kann, und damit der absolute Großteil, wird jedoch an die Umgebung abgegeben.
- Der Magistrat will auch auf Nachfrage keine bioklimatische Analyse vorlegen, die modelliert, wie sich die großen Mengen an Abwärme, die unbestreitbar in die Umwelt gelangen werden, auf die Umgebung auswirken wird.
Zum Thema Wasser:
- Der Magistrat kann noch keine valide Aussage zum Wasserverbrauch treffen, rechnet aber mit unterdurchschnittlichen Verbrauchswerten.
- Für ein Wassermanagementkonzept sieht er keine Notwendigkeit.
Zur Reservierung von Rechenleistung für lokale Unternehmen und Institutionen:
- Obwohl noch im September 2025 durch die Stadt für das Rechenzentrum damit geworben wurde, dass man 25% der Rechenleistung für lokale Unternehmen und die Hochschulen reservieren würde, distanziert sich der Magistrat kurz vor Satzungsbeschluss von diesem Vorhaben. Es gäbe dafür nur einen sehr geringen Bedarf.
Insgesamt halten wir das Rechenzentrum für massiv überdimensioniert, um wirklich positiv bewertet werden zu können. Diese Einschätzung teilt auch Prof. Lechner, Professor für Energiewirtschaft und Energiesysteme an der Technischen Hochschule Mittelhessen, im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk:
„Aus seiner Sicht wäre am Standort auch ein kleiner dimensioniertes Rechenzentrum wirtschaftlich. „Ich halte es für zu groß. Und man muss klar sagen: Es wird in dieser Größe gemacht, weil sich damit mehr Geld verdienen lässt.“
