Inhalt
Einleitung
Gießen ist mehr als „nur“ eine Universitätsstadt. Dank weiterer Wissenseinrichtungen wie der THM, den Museen, dem Mathematikum, etc. ist unsere Stadt eine „Wissensstadt“. Und aufgrund der zweithöchsten Studentendichte Deutschlands (nach dem kleinen „Sonderstandort“ Mittweida) ist sie auch die Stadt mit dem niedrigsten Durchschnittsalter Hessens. Das Potential, das sich daraus ergibt, wird jedoch noch nicht annähernd ausreichend genutzt. Das gilt nicht nur, aber auch in Bezug auf die Herausforderung, der sich die Stadt mit dem Beschluss zur Klimaneutralität 2035 gestellt hat. Diese kann nur erreicht werden, wenn alle städtischen und regionalen Potentiale ausgenutzt werden.
Dafür braucht es eine engere Vernetzung der Akteure Gießens – hier konkret mit den Hochschulen. Aber auch in weiteren Bereichen, wie der Stärkung der Wirtschaft, der Verkehrsoptimierung, der Belebung der Innenstadt oder dem Wohnungsmarkt, können Stadt wie Institutionen von einer engeren Zusammenarbeit profitieren. Diese wollen wir daher aktiv fördern.
Kooperationsvereinbarung und Einrichtung eines Koordinationsbüro
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Stadt und Hochschulen haben in der Vergangenheit bereits mehrfach in verschiedenen Prozessen wie Consilium I und II eng zusammengearbeitet. Wir möchten diese Zusammenarbeit als dauerhaften Prozess neu definieren und dazu eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung erarbeiten, die von der Stadtverordnetenversammlung, Senat, Studentenparlament, etc. ratifiziert werden soll.
Am Anfang einer engeren Kooperation muss aus unserer Sicht eine verbesserte Kommunikation stehen. Nur wenn städtische wie institutionelle Stellen wissen, was bei den jeweils anderen aktuell passiert oder geplant ist, können Rädchen ineinandergreifen. Wir schlagen daher ein Koordinationsbüro vor, in dem Mitarbeiter von Stadt, Universität und Hochschule tageweise gemeinsam an einem besseren Austausch zu arbeiten. Alle Akteure der Stadtgesellschaft können sich ebenfalls an diese Stelle wenden, um dort Themen für wissenschaftlich zu untersuchende Fragestellungen zu platzieren oder Informationen über Bachelor- oder Doktorarbeiten oder Forschungsprojekte zu Gießener Themen einzuholen.
Gemeinsame Wohn-Initiativen
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Wie im Kapitel „Stadtentwicklung“ beschrieben, fehlt in Gießen bezahlbarer Wohnraum. Stadt und Hochschulen inkl. Studentenwerk haben gleichermaßen ein Interesse daran, diese Situation zu verbessern, und kämpfen mit denselben Problemen von Flächenknappheit und steigenden Baukosten. Einen Teil der Lösung sehen wir im Konzept des „Wohnen für Hilfe“ bzw. „Homeshare“, bei dem Wohnraum gegen Unterstützung im Alltag, z. B. durch Einkaufen, Gartenarbeit oder Haushaltsaufgaben, getauscht wird. Vor dem Hintergrund der Kosten für einen Wohnheimplatz in Höhe von bis zu 100.000 Euro, wird schnell deutlich, welche Einsparungen hier zu erzielen sind. Damit das Konzept jedoch erfolgreich umgesetzt werden kann, bedarf es ausreichender personeller Kapazitäten, die zum Start gemeinsam von Stadt und Hochschulen gestellt werden sollen. Langfristig hat das Konzept international bewiesen, dass es sich über angemessene Gebühren selbst tragen kann (wie z. B. in Brüssel).
Gemeinsame Anstrengungen zur Erreichung der Klimaneutralität
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Die Hochschulen sind bereits über die Ziele einer CO2-neutralen Landesverwaltung bis 2030 unmittelbar in die Thematik eingebunden und werden damit wichtige Protagonisten der Klimaneutralität auch in Gießen sein. Viele Gebäude und Strukturen werden vor Ort bereits 2030 ihren Beitrag zur Gießener Klimaneutralität bis 2035 leisten. Zudem stellen die Hochschulen, besonders die JLU als größter Arbeitgeber der Stadt und als Ausbildungsbetrieb von rund 35.000 Studierenden, eine wichtige Verstärkerfunktion für die Klimaziele in die Stadtgesellschaft hinein dar. Mit der Intensivierung der inhaltlichen Verknüpfung der Klimaneutralitätsziele bzw. Verpflichtungen von Stadt und Hochschulen, kann eine einheitliche Strategie für Gießen erstellt werden, was Planungssicherheit für Investoren, Unternehmen und Einwohner:innen Gießens bedeutet.
Um für eine größtmögliche Akzeptanz der Maßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität zu erreichen, sollte ein kontinuierlicher Informationsaustausch mit den Bürgerinnen und Bürgern erfolgen. Menschen mit geringeren Einkommen dürfen durch die Klimaschutzmaßnahmen nicht zusätzlich finanziell belastet werden Bei der Erarbeitung entsprechender sozialverträglicher Lösungsansätze könnten entsprechende Fachbereiche (Sozialwissenschaften) von Universität und Fachhochschule ihre Expertise einbringen.
Gigg wird sich daher für folgende Forderungen bzw. Aspekte stark machen.
Für einen konstanten und vollständigen Informationsfluss zwischen Stadt und Hochschulen schlagen wir vor, eine gemeinsame Arbeitsgruppe „Klimaneutralität“ von Hochschulen und Stadt zu etablieren. Diese Kooperation geht weit über die bisherige Einbindung von JLU und THM im inzwischen still und heimlich aufgelösten Klimabeirat der Stadt hinaus. Die zentrale Aufgabe dieser Arbeitsgruppe sollte darin bestehen,
- die Leitbilder und -linien der jeweiligen Entwicklungsperspektiven zu harmonisieren,
- die planerischen Aktivitäten in Richtung Klimaneutralität viel stärker als bisher zu koordinieren, von Smart Home bis zur Fassadenbegrünung,
- eine einheitliche Flächen- und Gebäudeplanung für eine effiziente und sozial gerechte Nutzung der Lebensräume zu etablieren,
- konkrete wissenschaftliche Arbeiten und Konzepte im Zusammenhang mit der Klimaneutralität Gießens zu entwickeln bzw. voranzutreiben
- und darüber hinaus auch eine viel größere Schlagkraft bei der öffentlichkeitswirksamen Vermittlung des gemeinsamen Ziels Klimaneutralität zu erstellen.
Stärkere Verzahnung bei der Umsetzung einer nachhaltigen Stadtplanung
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Dabei geht es sowohl um die infrastrukturellen Aspekte (Gebäudestruktur, Verkehrsinfrastruktur, Wohnbedarf etc.) als auch um die Einbeziehung der konkreten kulturellen und sonstigen Bedürfnisse der Studierenden (wie Freizeitgestaltung, Hobby, Sport, Vereine etc.). Gießen ist als Hochschulstadt in ihrer Entwicklung sehr stark von den Strömungen der Hochschulen bzw. von deren Studierendenzahlen abhängig. Auch wenn viele Studierende nur temporäre Einwohner:innen unserer Stadt sind, bietet gerade die Stärkung einer Gießener Identität ein enormes Potenzial, auch bei ihnen Identifikation mit ihrer Hochschulstadt hervorzurufen und sie stärker als bisher in das städtische Geschehen einzubinden. Das so entstehende Gemeinschaftsgefühl und die Selbstwirksamkeit schafft Motivation und lässt neue Möglichkeiten für Gießen entstehen.
Verknüpfung von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik im Rahmen von Reallaboren
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Es ist nachgewiesenermaßen ein konstruktiver und zielführender Ansatz, gerade im Bereich der Stadtentwicklung sog. Reallabore einzusetzen. Reallabore verknüpfen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, um die Transformation der Innenstädte voranzubringen. Diese Gruppen arbeiten dabei an einem realen Ort gemeinsam und unter echten Bedingungen an der Entwicklung neuer Lösungen.
Der Erfahrungsbericht Reallabore des Bundesinnenministeriums (ZIZ, März 2025) hebt die guten Erfahrungen hervor, die verschiedene Kommunen gemacht haben und betont, dass „Reallabore erfolgreich als Testumgebung für nachhaltige und zukunftsfähige Stadtentwicklungskonzepte eingesetzt werden können.“
Wir werden uns daher in der nächsten Legislaturperiode dafür einsetzen, ein Reallabor „Innenstadt“ einzurichten, um den Wandel im Herzen Gießens mit seiner komplexen Gemengelage durch diese innovative Methodik zu begleiten und dem Prozess neue Impulse zu verleihen.
Stärkere Einbindung von Forschungsergebnissen für die lokalen Klimaschutzziele
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Gerade die Klimafolgen-Forschungsstation Linden (Betrieben von JLU und HLNUG (Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie)) bietet hier großes lokales und regionales Potential – sowohl für die Gewinnung von wissenschaftlichen Konzepten als auch für deren Vermittlung und Umsetzung außerhalb von Lehre und Forschung.
Klimafreundliches Verkehrskonzept für die Angehörigen der Hochschulen
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