Update: Über den interessanten, aber auch humorvollen Vortrag von Dr. Daniel Fuhrhop berichtet der Gießener Anzeiger:

Die einleitenden Worte unseres Stadtverordneten Johannes Rippl (Gigg) zum Vortrag im Wortlaut:
„Eine wirksame Klimapolitik und eine soziale Wohnungspolitik werden oft als Gegensätze dargestellt. Unserer Fraktion wird dabei im Parlament oft vorgeworfen, dass wir immer alle Bebauungspläne ablehnen würden. Was schlichtweg nicht nur falsch ist, sondern auch davon ablenken soll, dass die vorgelegten Bebauungspläne den Ansprüchen einer selbsternannten ökologisch-sozialen Fortschrittskoalition nicht genügen sollten. Es nützt dem Wohnungsmarkt überhaupt nichts, wenn am Klingelbach nochmal fünf oder in Kleinlinden nochmal zwei Einfamilienhäuser auf Grünflächen gebaut werden. Und aus unserer Sicht darf man auch nicht schweigen, wenn ein Investor Bauprojekte plant, die genau eine Wohnung unterhalb der Grenze von 50 Wohneinheiten zur Einhaltung einer Sozialquote bleiben.
Neue Konzepte, die über das stumpfe „Bauen, Bauen, Bauen“ hinausgehen, sind gerade für Gießen essentiell, selbst wenn man den Klimaschutz ausklammert. Denn wir haben schlichtweg keine größeren Flächen mehr, um dem hohen Bedarf, insbesondere an Wohnungen im günstigen Preissegment, erfüllen zu können.
Bei der Wohnbau stehen aktuell über 5.500 Tausend Menschen auf der Warteliste für eine preisgünstige Wohnung. Und doch wurden Dank einer investoren-zentrierten Wohnungsbaupolitik in den letzten Jahren vor allen Dingen Wohnungen im mittleren bis hochpreisigen Segment gebaut.
Von den 150 Sozialwohnungen, die die Koalition laut Koalitionsvertrag pro Jahr schaffen wollen, sind lediglich ein Bruchteil überhaupt geplant, geschweige denn gebaut. Das wirklich Erschreckende ist jedoch, dass die Stadt selbst noch nicht mal genau weiß, wie viele Wohnungen gebaut wurden. Und wie viele davon preisgebunden und wie viele davon barrierefrei sind. Auf eine entsprechende Anfrage von uns antwortete Stadträtin Weigel-Greilich, dass man keine Ressourcen für Statistik hätte und es so oder so nicht genug seien.
Priorität scheint das Thema bei der aktuellen Stadtregierung also nicht zu haben, das zeigt aus unserer Sicht auch der Umgang mit einem unserer Anträge aus 2021. Da hatten wir passend zum heutigen Thema beantragt, die Verwaltung möge ein Konzept erarbeiten, wie Hauseigentümer*innen dabei unterstützt werden können, ungenutzten Wohnraum zu vermieten. Und obwohl dieser Antrag von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde, ist seitdem außer immer wieder neuen Ankündigungen leider nichts passiert.
Daher möchten wir mit dem heutigen Abend einen weiteren Impuls dazu geben, wie eine nachhaltige, aber auch soziale Wohnungspolitik in Gießen aussehen könnte. Ich freue mich daher sehr, dass wir mit Dr. Daniel Fuhrhop einen ausgewiesenen Experten aus diesem Bereich für einen Vortrag gewinnen konnten. Dr. Fuhrhop ist Wohnwendeökonom und berät Kommunen zur Mobilisierung versteckter Wohnraumreserven. 2023 schrieb er seine Dissertation unter dem Titel „Der unsichtbare Wohnraum“. Zuvor erschienen bereits die Streitschrift „Verbietet das Bauen!“ und der Ratgeber „Einfach anders wohnen““
Ursprünglicher Post:


In Gießen fehlt bezahlbarer Wohnraum, aber es gibt heute keine größeren geeigneten Bauflächen mehr und die fortgeführte Versiegelung vorhandener Grünflächen macht die Stadt anfälliger für Hitze und Starkregen.
Einen Ausweg bietet die Mobilisierung versteckter Wohnraumreserven. In vielen Einfamilienhäusern steht die Hälfte der Zimmer leer, während sich manche Bewohner*innen gleichzeitig Gesellschaft in ihrem Haus oder Unterstützung beim Umzug wünschen. In einem unterhaltsamen Vortrag zeigt Dr. Daniel Fuhrhop, wie sich der „unsichtbare Wohnraum“ mobilisieren lässt, als Mittel gegen Wohnraummangel, Klimakrise und Einsamkeit.
📅 08. Dezember, Einlass ab 19 Uhr, um 19:15 Uhr geht es los.
📍 Netanya-Saal im Alten Schloss am Brandplatz
Der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.
Der Vortrag ist Teil einer Klausurtagung unserer Fraktion, in der es um die weitere wohnungspolitische Arbeit im Stadtparlament geht. Zum Vortrag mit anschließender Fragerunde ist auch die breite Öffentlichkeit herzlich willkommen!
Dr. Daniel Fuhrhop, Wohnwendeökonom, berät Kommunen zur Mobilisierung versteckter Wohnraumreserven. Er schrieb 2023 seine Dissertation „Der unsichtbare Wohnraum“. Er engagiert sich als Wirtschaftswissenschaftler bei den Scientists for Future und als Associate Member bei Homeshare International. Fuhrhop schrieb die Streitschrift „Verbietet das Bauen!“ und den Ratgeber „Einfach anders wohnen“. 2021 kandidierte er als Oberbürgermeister von Oldenburg und erreichte in der Stichwahl 46%. Er lebt seit 2022 in Potsdam.
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