Kultur - Gießen gemeinsam gestalten Gigg

Kultur

(Noch) Mehr Kultur für Gießen

Kultur steigert die Attraktivität einer Stadt und verbessert die Lebensqualität, sie hilft dabei, Unternehmen und Fachkräfte zu binden, und sie gibt Denkanstöße. Indem Kunst und Kultur Begegnungen mit Unbekanntem und Unerwartetem schaffen, brechen sie alte Denkmuster auf und fördern die Lust, Neues zu entdecken. Sie können so auch dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, Differenzen auszuhalten und mit ihnen umzugehen und damit auch einen wesentlichen Beitrag zur Inklusion, aber auch zu Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die Gießener Stadtgesellschaft leisten.

Auch wenn Gießen als Stadt mit dem geringsten Durchschnittsalter Hessens (ca. 30 % der Gießener Stadtbevölkerung ist zwischen 18 und 30 Jahren) bereits über eine reiche Kulturszene verfügt, gibt es auch in Bezug auf die Kultur wesentliche Dinge, die in den nächsten Jahren stärker angepackt werden müssen und die wir gemeinsam mit den Kulturschaffenden gerne vorantreiben wollen.

Mehr Räume/Platz für Kultur

Nicht zuletzt, weil Gießen in den vergangenen 15 Jahren stark gewachsen ist, braucht unsere Stadt mehr Räume für Kultur – gerade für die unter 30-Jährigen mit ihren ganz spezifischen kulturellen Bedürfnissen und Interessen, die bisher überwiegend von der freien Kulturszene bedient werden. Aber die Verfügbarkeit von Räumen für Kultur ist in einer sich verdichtenden Stadt zunehmend problematisch, da die Kultur gegenüber kommerziellen Interessen und anderen Grundbedürfnissen wie Wohnen oftmals den Kürzeren zieht.

Daher braucht es dringend energische und konkrete Maßnahmen, um Gießen als Standort für (junge) Kultur zu erhalten und zu stärken. Und es müssen verbindliche Mechanismen eingeführt werden, die das Mitwachsen der kulturellen Infrastruktur mit einer steigenden Bevölkerungszahl stadtplanerisch garantieren.

Innenstadt als kulturelles Zentrum

Es ist notwendig, die Innenstadt als kulturelles Zentrum zu begreifen. Kultur ist Zentrum des gesellschaftlichen Lebens, muss niederschwellig zugänglich sein und darf nicht in die Peripherie abgedrängt werden. Dies gilt in einer Studierendenstadt ausdrücklich auch für Ausgeh-, Musik- und Clubkultur. Deren schwindende innerstädtische Standorte (wie z. B. Anfang 2026 die Schließung des Scarabée) müssen geschützt, unterstützt und wieder ausgebaut werden. Die Idee der Innenstadt als kulturelles Zentrum ist gerade zu einer Zeit bedeutsam, in der deutlich geworden ist, dass die Phase der Fokussierung der Innenstadt auf das Thema Handel/Konsum unwiederbringlich vorbei ist. Die Chancen einer stärkeren Berücksichtigung der kulturellen Bedürfnisse und Konzepte müssen daher aktiv genutzt werden. Dies könnte z. B. erfolgen, indem temporäre Leerstände im Innenstadtbereich übergangsweise für kulturelle Aktivitäten genutzt werden. Daher gilt es, das Urbanautikprogramm als Kooperation zwischen Stadt und Raumstation (als Interessenvertretung der freien Szene) abzusichern.

Natürlich unterstützen wir in diesem Sinne die Planungen zur Einrichtung eines Kulturgewerbehofs in der ehemaligen Feuerwache in der Steinstraße. Dieses kulturelle Leuchtturmprojekt muss zügig umgesetzt werden, damit Raum für Werkstätten, Studio, Gastronomie, Freiflächen, Veranstaltungsräume für Musik und Kunst inklusive Umnutzung der Fahrzeughalle als Veranstaltungsfläche entsteht. Der Arbeitskreis Interessensvertretung der Freien Kulturszene Gießen muss dabei auf Augenhöhe in die Planungen integriert werden.

Stadttheater

Das ursprünglich von Bürger:innen gestiftete Theater ist die größte Kulturinstitution und das Aushängeschild der Stadt mit Wirkung weit über Gießen hinaus. Dennoch gibt es auch hier noch viel Potenzial zur stärkeren Verknüpfung mit der Stadtgesellschaft. So gibt es z.B. immer noch zahlreiche Schüler*innen in Gießen, die noch nie im Stadttheater waren. Die Stadtpolitik muss daher verstärkt Anreize für den Besuch gerade in dieser Altersgruppe schaffen (z. B. eine Schultheaterwoche mit Veranstaltungen aller Theatersparten, Theaterführungen speziell für Schüler:innen mit kostenfreiem Bustransfer etc.). Ebenso ist eine stärkere Integration bzw. Berücksichtigung aller sozialen Milieus durch das Stadttheater zu begrüßen bzw. zu unterstützen.

Und – natürlich hat auch das Stadttheater mit seinen fast 300 Festangestellten eine ausreichende Größe, um selbst auch eigene Akzente im Zusammenhang mit der Klimaneutralität zu setzen, sei es im Bereich Verkehr (der eigenen Mitarbeitenden und der Besucher*innen), beim Energieverbrauch, bei der Beschaffung etc.

Bessere Vernetzung

Aus Rückmeldungen von Kulturschaffenden haben wir gelernt, dass es bei der Vernetzung verschiedenen Kulturinstitutionen der Stadt (Stadttheater, Interessenvertretung der freien Kulturszene, Universität mit den Studiengängen „angewandte Theaterwissenschaft“ und dem Musikinstitut, Musikschule…) weiterhin Verbesserungspotenzial gibt, um bestehende Ressourcen (Räume, Bühnen, Technik usw.) effektiver, kostengünstiger und somit auch umwelt- und klimaschonender zu nutzen. Demensprechend sehen wir auch hier einen Ansatz für die kommenden Legislaturperiode, gemeinsam mit den Akteuren aus dem Bereich Kultur Dinge zu verändern.

Weitere Ansätze

  • Die Stadt kann und sollte das Kultursponsoring von heimischen Banken, Firmen und Bürger*innen stärker initiieren und auf eine gerechtere Verteilung der Gelder hinwirken.
  • Öffentliche Aufträge sollten möglichst an lokale Künstler und Künstlerinnen vergeben bzw. diese bevorzugt eingeladen werden.
  • Bürokratische Hürden für kleinere, nichtkommerzielle Veranstaltungen, Straßentheater etc. müssen abgebaut werden, Regeln transparent und nachvollziehbar sein.