Rede zur Aussetzung der Planungen im Altenfeldsweg / Klingelbachaue

Am 27. August 2026 stand ein Antrag der Fraktion der Linken zur Aussetzung des B-Plans Altenfeldsweg auf Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Unsere Stadtverordnete Sophie Held hielt dazu folgende Rede:

Wie angespannt der Wohnungsmarkt in Gießen ist, das wissen wir inzwischen alle. Sei es aus eigenen Erfahrungen, aus Berichten von Freunden und Familie, oder aus der Presse und politischen Diskussionen.

Gleichzeitig bekommen wir zu spüren, wie sehr uns die zunehmende Hitze in unserer Stadt zu schaffen macht. Um es mit den Worten von Friedrich Merz vom vergangenem Sonntag auszudrücken: „Das ist der Klimawandel.“

Und ich hoffe, dass sich niemand im Haus der Illusion hingibt, das solche Hitzeperioden wie in diesem Sommer Einzelfälle bleiben. Die Erdüberhitzung schreitet voran. So sehr, dass wir es mittlerweile auch in Deutschland bemerken.

Um nun wieder den Bogen zur Bebauung an der Klingelbachaue zu schlagen: Es stand schon öfter im Raum den Klingelbach zu renaturieren. Nun wäre es endlich an der Zeit, die Pläne in die Tat umzusetzen, die Chance zu nutzen und eine sinnvolle Retentionsfläche zu gestalten. Eine echte Möglichkeit Wasser zu speichern, die Umgebung zu kühlen, einen Erholungsort zu schaffen & vielfältigen Arten einen Lebensraum zu schenken.

Der dringend benötigte Wohnraum muss geschaffen werden, aber nicht in der Klingelbachaue. Daher unterstützen wir den Antrag der KollegInnen aus der Fraktion Die Linke und möchten erneut daran erinnern, dass die Stadtverordnetenversammlung bereits 2021 auf unseren Antrag hin beschlossen hat, dass der Magistrat ein Konzept zur Reduzierung von ungenutztem Wohnraum erarbeiten möge.

Anstatt die Ressourcen im Stadtplanungsamt für eben diese Aufgabe einzusetzen und so potentiell Wohnraum für hunderte Menschen zu schaffen, beschäftigt sich das Amt mit einem B-Plan für 7 Einfamilienhäuser an einem Ort, der aus unserer Sicht deutlich mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt.

Denn was bringen uns 7 Einfamilienhäuser, wenn nicht mehr genügend Fläche für Klimaresilienz bleibt? Keine Fläche für Hitzeschutz, Hochwasser, für Lebewesen zum Leben. Für Menschen, um sich zu begegnen, für mehr Menschen, als nur für 7 Familien, um dort zu wohnen.

Sehr geehrter Herr Becher, die Redebeiträge von Frau Schmitt, Frau Lennartz und von mir bitte nicht als Beschränkung der Handlungsfähigkeit einer Demokratie verstehen.

Nachdem Sie eben von Mut gesprochen haben, dem Rechenzentrum doch eine Chance zu geben, muss ich sagen:

Wir befinden uns durch die Erderwärmung an einem Wendepunkt für die Menschheit.

Die Zeit ist gekommen, wo große Entscheidungen besser mit Ruhe und Sorgfalt getroffen werden sollten.

Nachdem sich die Mehrheit des Hauses zum Katzenfeld gegen den Klimaschutz gestellt hat, gegen den notwendigen Ausbau von erneuerbaren Energien, gegen die Ausarbeitung technischer Möglichkeiten um Energieverschwendung gegen 0 laufen zu lassen, gegen die passende Dimensionierung des Rechenzentrums – Bleibt mir wohl nur noch die Hoffnung, dass wir uns in Zukunft mehr Zeit nehmen, um wichtige Entscheidungen zu treffen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.