Rodungsfläche neben Bieber Marburg

Zur Rodung für die Betriebserweiterung „Bieber+Marburg“

Darum geht es:

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Umringt von Schutz- und Erholungswald sitzt der Stahlhändler Bieber+Marburg seit 1958 im Schiffenberger Forst. 2008 stellte das Unternehmen erstmals einen Antrag auf Betriebserweiterung, woraufhin 25.000 m² gerodet wurden, um Platz für neue Gebäude zu schaffen. Bedingung der Genehmigung dieser Erweiterung war, dass damit die gewerbliche/industrielle Nutzung auch langfristig auf die damalige Antragsfläche beschränkt und eine über die so definierten Grenzen hinausgehende Erweiterung ausgeschlossen sei.

Statt diese Rahmenbedingung bei der Weiterentwicklung des Unternehmens zu berücksichtigen, ging die Geschäftsleitung jedoch offensichtlich davon aus, dass auch die nächste Betriebserweiterung bewilligt werden würde. Bieber+Marburg stellte daher 2021 erneut einen Antrag auf Erweiterung – dieses Mal sollen über 45.000 m² Wald dafür gerodet werden. Statt diesen Antrag mit Verweis auf die Beschlusslage abzulehnen und den vollen Fokus auf die Suche nach Standortalternativen für das Unternehmen zu legen, unterstützte der Magistrat von Anfang das Vorhaben und trieb die Vorbereitungen für die Rodung voran.

Unsere Position

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Als einzige Fraktion im Stadtparlament haben wir die Rodung von über 45.000 m² Schutz- und Erholungswald von Anfang an kritisch hinterfragt, da die Beschlusslage von 2008 vollkommen eindeutig war. Obwohl es rechtlich zulässig ist, diese Beschlusslage zu übergehen, halten wir dieses Vorgehen gerade in Zeiten wachsender Politikverdrossenheit für grundlegend falsch.

Die Bewilligung dieser zweiten Erweiterung – letztlich mit den identischen Argumenten, die bereits für die Erweiterung ab 2008 vorgebracht wurden - wird Tür und Tor für jede weitere Rodung am Unternehmensstandort öffnen. Es wird dann keine validen Argumente mehr geben, bei einer entsprechenden wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens (oder bei einem möglichen Verkauf an einen Investor) eine weitere Ausbreitung in den Wald zu verhindern. Unser Vorschlag, dies durch den Kauf eines dann von einer unabhängigen dritten Partei besessenen „Schutzstreifens“ dauerhaft zu verhindern, wurden von allen Parteien im Stadtparlament abgelehnt.

Insgesamt sprechen für uns klar mehr Argumente gegen die Erweiterung als dafür. Die im Rahmen der Bebauungsplanung erstellten Umweltgutachten zeigen eindeutig, dass die betroffene Fläche keinesfalls eine "wertlose Kiefernmonokultur" ist, wie gerne behauptet wird. Vielmehr handelt es sich bei einem Großteil der Fläche um einen wertvollen Mischwald, der Lebensraum mehrerer strenggeschützter Tierarten, u.a. der Schlingnatter und verschiedener Fledermaus- und Vogelarten, ist. Darüber hinaus ist der Wald natürlich auch ein wichtiger lokaler Wasser- und CO2-Speicher, der einen positiven Einfluss auf das Gießener Kleinklima hat.

Während die Schäden, die eine Rodung anrichten würde, real und dauerhaft sein werden, sind die versprochenen Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen eine Wette auf die Zukunft des Baustahlhandels. Zudem ist den Antragsunterlagen zu entnehmen, dass das Wachstum des Unternehmens vor allen Dingen daher rührt, dass es Arbeiten übernimmt, die die Kunden bisher selbst übernommen haben. D.h. dem Stellenzuwachs hier steht ein Stellenabbau an anderer Stelle gegenüber.

Wir halten es zudem für wenig wahrscheinlich, dass das Drohszenario eines Wegzugs des gesamten Unternehmens bei Verweigerung der Erweiterung im Schiffenberger Forst eintreten könnte. Dazu ist der aktuelle Standort viel zu wertvoll und das Unternehmen zu tief in Gießen und der Region verankert. Viel mehr gehen wir davon aus, dass das Unternehmen dann doch einen Alternativplan hervorholen würde, der zwar etwas weniger Profit abwerfen, dem Unternehmen aber dennoch weiteres Wachstum ermöglichen würde. Es wäre von Anfang an Aufgabe des Magistrats gewesen, auf diesen Alternativplan zu drängen.

Unsere detaillierte Kritik am Vorhaben haben wir hier dargelegt.

Weiterführende Informationen

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Um nachvollziehen zu können, warum der Magistrat das Bebauungsplanverfahren trotz der klaren Beschlusslage überhaupt eingeleitet hatte, beantragte unsere Fraktion einen Akteneinsichtsausschusses. Unser Abschlussbericht und eine Zusammenfassung dazu kann hier eingesehen werden.
Es hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die gegen die Erweiterung protestiert und dazu Unterschriften sammelt. Mehr dazu auf der Website der Bürgerinitiative „Wald statt Stahl+Beton“

Weitere Zwischenberichte zu unserer Arbeit:
6. November 2023: „Keine stichhaltige Begründung für eine Genehmigung der Betriebserweiterung von Bieber+Marburg“
21. Januar 2025: Bieber+Marburg – Betriebserweiterung zu Lasten des Gießener Stadtwaldes
12. Juli 2025: Rede zum Entwurfsbeschluss Bieber+Marburg